Schweizer Wintersportorte verzeichnen weniger Vorausbuchungen aus Russland

Schweizer Wintersportorte verzeichnen weniger Vorausbuchungen aus Russland

Russische Gäste sind für einen großen Teil des Umsatzes verantwortlich, der im Schweizer Ski-Tourismus generiert wird. Bei gut betuchten Wintersportenthusiasten sitzt das Geld locker – sie lieben es, in teuren Läden einzukaufen und sich bei Apres-Ski-Partys mit gutem Champagner einzudecken. In diesem Winter dürfte die Bilanz jedoch magerer ausfallen als im Vorjahr: Aufgrund des sich zuspitzenden Konfliktes mit dem Westen verzichten viele Russen auf ihren geplanten Schweiz-Urlaub und reisen stattdessen in heimische Kurorte wie Sotschi oder Gelentschik.

Der tiefe Fall des Rubels trägt seinen Teil dazu bei, dass die Vorausbuchungen teilweise bis zu dreißig Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Den hiesigen Hotelbetrieben entgehen damit Einnahmen in Millionenhöhe, da die entstehenden Lücken kaum zu füllen sind. Zwar gibt es nach wie vor zahlreiche Schweiz-Touristen aus Asien und dem arabischen Raum – diese sind interessieren sich jedoch weniger für die Skipisten als für die Einkaufsstraßen, die Zürich und andere Großstädte zu bieten haben.

Auch Österreich leidet unter der Situation

Bereits in der Sommersaison gingen die Übernachtungszahlen russischer Touristen um bis zu zehn Prozent zurück. In Österreich, wo die Tourismus-Industrie eine noch bedeutendere Rolle einnimmt als in der Schweiz, wurden ähnliche Rückgänge verzeichnet. Für die wichtige Wintersaison wird einem anonymen Insider zufolge mit einem Minus von 30 bis 40 Prozent kalkuliert. Treffen wird dies vor allem Skiorte in den Regionen Salzburg und Tirol – hier ist der Anteil der russischen Gäste traditionell hoch.

Besonders schmerzhaft ist das Ausbleiben der Russen, weil sie dazu neigen, ihr Geld im ganzen Land auszugeben. Wer für zehn Tage nach Österreich kommt, fährt davon fünf Tage Ski – der Rest der Zeit wird damit verbracht, in Wien, Graz oder Innsbruck einzukaufen. Somit sind nicht nur Gastronomen und Hoteliers, sondern auch Taxiunternehmen und Einzelhändler von der Flaute betroffen.

Superreiche lassen sich vom fallenden Rubel nicht abschrecken

Reichen Russen, die ihr Geld nicht in Rubel, sondern in anderen Währungen verdienen, kann die politische Situation egal sein. Sie fahren nach wie vor gerne in Skiorte wie St. Moritz, das seit Jahren ein Treffpunkt für Angehörige dieser Schicht ist. Nicht wenige Russen buchen gleich für mehrere Jahre im voraus. Rückgänge wie in den oben genannten Orten gibt es in St. Moritz daher nicht.

Anders sieht es bei der russischen Mittelschicht aus: Der schwache Rubel verteuert Auslandsreisen derart, dass Flugtickets und Hotelübernachtung für viele Familien unerschwinglich werden. Seit Beginn des Konfliktes hat die russische Währung gegenüber dem Franken und dem Euro mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Wer dennoch in die Ferien fahren will, hat keine andere Wahl, als sich in einem der zahlreich vorhandenen Hotels an der Schwarzmeerküste einzumieten. Hier wurden die Kapazitäten im Vorfeld der Olympischen Spiele 2014 deutlich aufgestockt.

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